Es gibt einen Gegenstand, der seit mehreren Jahrtausenden ein untrennbarer Bestandteil der menschlichen Zivilisation ist. Jäger, Reisende, Krieger, jeder von ihnen hatte für jede Situation einen Helfer bei sich – ein ordentliches Messer. Für diese Rezension habe ich mich für ein italienisches Messer der Marke Maserinentschieden, genauer gesagt für das Modell Croz.
Ich mag lieber einfache Arbeits- oder Kampfmesser, ein wenig Ästhetik schadet jedoch nie. Außerdem kann ein hochwertiges Messer praktisch, funktional, gefährlich und schön zugleich sein. Als echter Messerliebhaber erweitere ich meine Sammlung gelegentlich um ein interessantes Stück. Die Anzahl zähle ich schon lange nicht mehr. Vor Jahren habe ich aufgehört zu zählen, als ich die 20 Stück überschritten und mir eine meiner Sammlerdiagnosen voll bewusst geworden bin. Ein gutes Messer ist einfach wie eine Krawatte. Zu jedem Anlass passt eine andere.
CROZ - Design von den Berufensten
Wenn Sie ein maßgeschneidertes Produkt schaffen möchten, müssen Sie den Endnutzer kennen, für den es bestimmt sein wird. Maserin wandte sich daher an Ettore Zanum seine Sicht der Dinge anzubieten. Ettore ist Jäger und hat ein Forstwirtschaftsstudium absolviert. Croz ist nämlich in erster Linie ein Messer, das für die Natur, für Jäger und Waldläuferbestimmt ist. Lassen Sie sich von seiner ästhetischen Ausführung nicht täuschen.
Croz erhielt seinen Namen als Zeichen der Außergewöhnlichkeit, und seine wörtliche Übersetzung könnte treffender nicht sein. Er bedeutet nämlich Steinwas auf seine Härte und Widerstandsfähigkeit (60 HRC) verweisen soll. Der Name stammt aus dem alten Rätoromanisch, das von knapp 40.000 Einwohnern des Schweizer Kantons Graubünden gesprochen wird, und Ettore ist einer von ihnen. 
Am besten beschreibt es wohl Ettore selbst:
"Der Fels ist hart, fest, konsequent, notwendig. Und genau das möchte dieses Jagdmesser sein. Wozu dient es eigentlich? Ein Jagdmesser? Es kann nur wenige Dinge gut, diese muss es aber so gut wie möglich, praktisch erledigen. Typische Tätigkeiten, die mit dem Aufenthalt in der Natur verbunden sind, wie das Zubereiten von Essen oder das Spalten von Holz zum Anzünden eines Feuers. Spezifische Handgriffe im Zusammenhang mit der Jagd, wie z. B. das Ausweiden und Verarbeiten des erlegten Tieres.,,
Ehrliche Materialien
Schauen wir uns zunächst Croz von der technischen Seite an:
- Länge des Messers - 23cm
- Länge der Klinge - 11 cm
- Klingenstärke - 4mm
- Stahlsorte - Bohler N690
- Härte - 60 HRC
- Ausführung - Full Tang
- Klingentyp - Drop Point in satinierter Ausführung
- Schliffart - konvex
- Schneide/Facette - Kombination aus Zähnen mit anschließend durchgehend glatter Schneide
- Griff - grüne Ausführung Micarta, orange und schwarz G10
- Zubehör - Nylon-Gürteletui und Diamant-Schärfstab
Messer
Aus den oben genannten Parametern wird deutlich, dass das Messer aus ehrlichen Materialien gefertigt ist. Full Tang bedeutet, dass die Klinge aus einem einzigen Stück über die gesamte Länge des Messers besteht. Persönlich mag ich diese Ausführung bei Vollklingen am liebsten, wenn ich das Mora Companion nicht mitzähle. Dadurch ist das Messer widerstandsfähiger, gut ausbalanciert und auch für Batoning geeignet, d. h. das Spalten von Holz mit Schlägen auf den Klingenrücken.
Mir gefällt die Wahl des Stahls. N690 ist ein rostfreier, kohlenstoffangereicherter Stahl des österreichischen Herstellers Bohler-Uddeholm. Er ist ideal gerade für Jagd- und Outdoor-Messer. Er besitzt hervorragende Schnitthaltigkeit und Widerstandsfähigkeit, dank einer Härte zwischen 58-61 HRC. Relativ einfach zu schärfen und die Schneide ist zäh, da sie nicht spröde ist.
Form und Länge des Messers sind praktisch. Entgegen der Meinung der meisten Laien muss ein Outdoormesser keine Rambo-Machete sein. Es geht immer um die hochwertige Verarbeitung des Messers als solches und die Erfahrung des Anwenders. Mit einer 11 cm langen Klinge können Sie problemlos kleinere Holzbündel für ein Feuer spalten, einen Fuzzy Stick vorbereiten, Hochwild ausnehmen oder abhäuten und kleinere Tiere zerlegen. Mit einem Messer von 24 cm Gesamtlänge lässt es sich bequem und dadurch auch sicherer handhaben. Die Spear-Point-Klinge dringt leicht ins Gewebe ein und mit ihr können Sie im weichen Holz einfach Löcher bohren oder kleinere Schnitzprojekte machen.
Wenn ich die Wahl habe, wähle ich immer eine kombinierte Klinge. Das Schärfen der Zähne stört mich nicht und sie haben mich bisher weder bei der Lebensmittelverarbeitung noch bei der Holzarbeit gestört. Ich arbeite oft mit Seilen und dafür sind sie primär bestimmt. Die Schnur rutscht nämlich auf der glatten Klinge ab. Die Zähne beißen sich in die Schnur ein und die glatte Klinge erledigt den Rest leicht. Einen guten Griffgewährleisten, neben dem präzise gefrästen Griffstück, auch die Rillen am Anfang des Klingenrückens, in die sich der Daumen bequem und sicher stützen kann. 
Diamantschleifer am Griffstück
Der Croz hat noch eine praktische Lösung. In das Griffstück ist ein Diamantschleifereingeschoben. Er ist mit einem Gewinde mit Dichtring befestigt, damit kein Wasser in die Öffnung eindringt. Er ist perfekt für die gezahnte Schneide und nebenbei können Sie auch den geraden Teil der Klinge nachschärfen, ebenso wie bei der Arbeit mit Fleischermessern.

Das Griffstück besteht aus zwei Hälften, die mit 6-kantigen Inbusschrauben befestigt sind. Der Croz ist in 3 Farben erhältlich, mir gefiel am besten das dunkle Oliv. Die orangene und schwarze Version wird aus G10 hergestellt, die olivfarbene jedoch aus Micarta.
Das Material ist bei beiden ähnlich. Es handelt sich um Schichten aus synthetischem Harz, die mit Gewebeschichten abwechseln. G10 verwendet Glasfasern, Micarta meist Leinen oder Baumwolle. Es handelt sich um widerstandsfähige Materialien, die nach Belieben in jeder Farbe geformt werden können. Durch das Fräsen der einzelnen Schichten entsteht so eine unendliche Vielfalt an Designs. Der olivfarbene Croz hat ein Reptilienleder-Motiv, bei dem die weißen Fasern beim Abtragen des Materials ein sehr schönes Muster erzeugt haben.

Die Scheide
Den Croz kann ich mir lebhaft in Leder sowie auch in einer Kydex-Scheide vorstellen. Grundsätzlich erhalten Sie dazu jedoch Nylon. Die Scheide ist sehr schön verarbeitet. Die Gürtelschlaufe und der mittlere Streifen sind aus schwarzem Leder mit dekorativen Aufschriften. Der mittlere Streifen trägt die Aufschrift Maserin und das Firmenlogo. Auf der Gürtelschlaufe finden Sie die Aufschrift Made in Italy. Die Schlaufe ist nicht wie bei gewöhnlichen Nylonscheiden genäht, sondern mit 4 größeren Nieten befestigt. Sie ist für ca. 4 cm breite Gürtel genäht.
Das Messer wird mit einem massiven Druckknopfgesichert, auf dem sich das Logo von Maserin befindet. Der Druckknopf an der Öse ist in dem umgeschlagenen Nylonstreifen eingelassen. Nach dem Schließen ragt die Öse noch ein Stück weiter heraus, die Reserve beträgt etwa eine Daumenbreite. Dank dieser beiden Details hält der Druckknopf einer größeren Belastung stand, das Nylon reißt so nicht so schnell durch und das Messer lässt sich leichter sichern und entsichern.

Das Messer ist innen mit einem Kunststoffeinsatz getrennt. Es handelt sich um ein gebogenes Stück weicheren Kunststoffs, das mit zwei kleineren Nieten verbunden ist. Die Klinge beschädigt die Scheide so nicht von innen. Der Einsatz ist herausnehmbar. Das Messer bleibt so sicher gesichert auch dann, wenn Sie aus irgendeinem Grund nur mit der Scheide hantieren müssen.

Elegant oder Arbeitstier?
Ich mag schöne Messer. Ich kann Kunst und Handwerksarbeit zu schätzen wissen. Ebenso wie den Aufwand, der hinter der Entwicklung eines funktionalen Produkts steht. Ein Messer zu besitzen und es nicht zu benutzen, ist jedoch wie ein Auto zu haben und nicht damit zu fahren. Der Croz musste sich also die sprichwörtlichen Hände schmutzig machen, um zu zeigen, was wirklich in ihm steckt.
Micarta ist perfekt geformt. Auch wenn es nicht so scheint, hat der Griff keine scharfen Kanten. Er liegt jedoch sicher in der Hand. Das Messer lässt sich auch mit verschwitzter oder nasser Hand gut kontrollieren, was beim Feuermachen oder bei der Lebensmittelverarbeitung üblich ist. Ich habe eine größere Hand, ich trage überwiegend Handschuhe in Größe XL. Der Croz passte wie angegossen in meine Hand. Zu einem festen Griff tragen die Auswölbungen an beiden Enden bei. Der Zeigefinger stützt sich sicher am Griff ab und verhindert ein Abrutschen der Hand auf die Klinge. Das Prinzip ist auch beim umgekehrten Halten des Messers gleich, wo der kleine Finger für die Absicherung sorgt.

Dank der Full-Tang-Ausführung ist das Messer ausgewogen. Das hat einen positiven Einfluss auf die Ergonomie und die Belastung des Handgelenks. Damit ließen sich sowohl Feuerbündel als auch Fuzzy Sticks gut vorbereiten. Der Daumen lässt sich gut in den Rillen auf dem Klingenrücken abstützen, verursacht jedoch bei längerer Arbeit keine unangenehmen Abschürfungen.
Die ausgeprägte Spitze der Spear-Point-Klinge macht Vertiefungen im Holz leicht. So lassen sich Stellen für Bohrlöcher gut markieren. Mit dem scharfen glatten Bereich im vorderen Teil können Sie die Rinde von einer Birke abschaben, um feinen Zunder zu gewinnen. Da die Klinge dicker ist, kann ich bedenkenlos stärker aufdrücken. Das Messer ist nicht übermäßig groß. Es ermöglicht mir auch feinere Arbeiten, bei denen ich ein Gefühl in der Hand brauche - ich verliere nicht die Feinmotorik. Der Rückenteil der Klinge hat ausgeprägtere Kanten, ideal für einen Feuerstahl.

Lebensmittelverarbeitung
Bei der Lebensmittelverarbeitung verhält es sich angenehm. Man sollte bedenken, dass es sich um ein Jagdmesser handelt, also vergessen Sie fein gehackte Zwiebeln und dünne durchscheinende Tomatenscheiben. Stücke mit einer Dicke von 2-3mm sind jedoch realistisch, es braucht nur etwas Übung.
Der Länge nach könnte man es mit einem Steakmesser oder einem Gemüsemesser vergleichen. Hühner- und Schweinefleisch mit Sehnen wurde mit dem Croz sehr gut verarbeitet.
Ich schätze vor allem das Verhalten des Micarta und das gewählte Design der Griffschalen. Die Hand hat einen stabilen Griff, auch wenn sie blutig ist und ähnliche Eventualitäten im Zusammenhang mit der Fleischverarbeitung auftreten. Das Ausweiden und Abziehen von Hochwild konnte ich nicht beurteilen. Tiere jage ich grundsätzlich nur mit dem Kameraobjektiv.
Wurzelgemüse ließ sich ebenso hervorragend putzen. Vor allem Gemüse wie Sellerie ließ sich besser verarbeiten als mit einem Messer mit dünner Klinge, da es einen härteren äußeren Teil hat. Für Karotten mit Petersilienwurzel habe ich einen Verbesserungstipp. Statt sie zu schälen, schabe ich sie nämlich mit dem gezahnten Teil des Messers ab. Das ist schnell und effektiv. 
Die Antwort auf die Frage ist also klar. Der Croz ist zwar ein Elegantaber sobald es an die schmutzige Arbeit geht, zieht es das Jackett aus, krempelt die Ärmel hoch und macht sich ohne zu murren an die Arbeit.
Der Croz ist Maserin gut gelungen. Die einzigen zwei Dinge, die ich bemängelnwürde, sind die Kunststoffeinlage in der Scheide (die ich manchmal herausziehen musste, wenn ich das Messer zuvor zu fest in die Scheide gesteckt hatte) und das Fehlen einer Öse am Griff.Eine Öse für eine Schlaufe würde nicht nur den Komfort verbessern, sondern auch die Möglichkeit einer Verzierung in Form einer dekorativen Schlaufe bieten, die der Nutzer nach Belieben personalisieren könnte.

Es ist nicht mein erstes Messer von Maserin. Ich besitze schon seit Jahren auch ein klassisches Klappmesser ohne Sicherung mit einem Griff aus Olivenholz. Es ist jedoch sicher, dass der Croz gewiss nicht das letzte sein wird. Wenn Sie also einen neuen Begleiter suchen, greifen Sie ruhig zu. Die Italiener haben unter den Messerherstellern ihren ehrenvollen Platz. Pizza und Spaghetti sind nicht das Einzige, worin sie sich auskennen. Maserin ist ein Beispiel dafür, dass wunderschöne Messer nicht nur zur Zierde da sind, sondern auch für ehrliche Arbeit. Eine ähnliche, wie sie ihre Schöpfer in die Herstellung ihrer Modelle gesteckt haben.
Eine durch Tradition geborene Marke
Coltellerie Maserin gehört zu den bekanntesten Messerherstellern in Italien. Ihren Weg begann sie im Jahr 1960. Maserin legte von Anfang an Wert auf hochwertige Herstellung und stilvolle Designs. Bald gehörte sie zu den italienischen Größen. Kein Wunder, denn als Standort wählte man die Stadt Maniago, die weltweit als „Stadt der Messer“ bekannt ist. Maniago ist der Traum eines jeden echten Messerliebhabers. Neben einer wunderschönen Landschaft bietet sie nämlich auch die besten italienischen Klingen, die in die ganze Welt exportiert werden.
Maserin schaut nicht nur auf die Tradition, sondern auch in die Zukunft. In ihrer Produktion ist deshalb die Fertigung mittels CNC sowie die Arbeit mit dem Laser enthalten. Dank dieses modernen Ansatzes stellt das Unternehmen so präzise, hochwertige und ausgereifte Modelle zu einem für die meisten Nutzer akzeptablen Preis her. Neben den Serienmodellen fertigt es auch exklusive Modelle auf Bestellung an.
